Im Vorfeld und auch nach der Bundestagswahl möchten wir alle Menschen, denen grundlegende (geschlechter)demokratische und menschenrechtliche Werte wichtig sind, aufrufen, mit ihrer Unterschrift zu zeigen, dass es etwas zu bewahren gibt: Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sind nicht nur Worthülsen, sondern müssen immer wieder verteidigt und gelebt werden. Rechtspopulistische Kräfte wollen diese Grundwerte zurückdrängen. Von allen demokratischen Parteien erwarten wir, dass sie sich von diesen neo-reaktionären Positionen deutlich abgrenzen und durch ihre politischen Schwerpunkte zeigen, wie sie in Zukunft demokratische Errungenschaften stärken werden

1. Was wir wollen

Eine demokratische Gesellschaft zeichnet sich durch gleiche Verwirklichungschancen aller Menschen aus. Wir treten ein für:

Gleichheit in der Erwerbsarbeit

  • Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern,
  • Schaffung gleicher Aufstiegschancen für Frauen und Einwanderer*innen in Führungspositionen
  • Wirkungsvolle Maßnahmen gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und folgende Altersarmut

Geschlechtergerechtigkeit in der bezahlten und unbezahlten Sorgearbeit (Care). Jede/r hat das Recht zu sorgen und versorgt zu werden

  • (Geschlechter-)gerechte Aufteilung der Sorgearbeit
  • Quantitativer und qualitativer Ausbau der Infrastruktur für Sorgearbeit
  • Aufwertung der Gesundheits- und Sozialberufe aufgrund ihrer unverzichtbaren gesellschaftlichen Bedeutung und eine dieser Bedeutung angemessene Entlohnung, auch schon während der Ausbildung.

Geschlechtergerechte Familienund Sozialpolitik

  • Absicherung von Lebensphasen mit Sorgearbeit für Kinder, ältere Verwandte und Freunde
  • Geschlechtergerechte Existenzsicherung, auch im Alter
  • Anerkennung für die Vielfalt der Lebens- und Familienformen

Selbstbestimmung und Diversität statt starre Geschlechternormen

Gleiches und friedliches Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft mit Respekt und mit gleichen Rechten für alle!

2. Was wir mit Besorgnis sehen

Die Demokratie und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft geraten derzeit unter Druck: Rechtspopulistische Kräfte wenden sich gegen Gleichstellungspolitik. Sie wollen die Geschlechterforschung und damit die wissenschaftliche Untersuchung von Geschlechterungleichheit abschaffen. Stattdessen propagieren sie biologistische Vorstellungen von Mann und Frau: Geschlecht wird zur Zwangsnorm für alle und individuelle Lebensentwürfe und Freiräume werden ausgeblendet. Nur eine bestimmte Form des Zusammenlebens, die traditionelle Familie, wird anerkannt und gefördert – auch wenn viele Menschen heute jenseits dieses Modells leben.

Sie wenden sich gegen sexuelle Vielfalt und Sexualaufklärung in öffentlicher Hand, die den Kindern und Jugendlichen Orientierung gibt und sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt vorbeugen kann. Zugleich wollen sie die Familie der Bevölkerungspolitik unterordnen: Erneut sollen wir Kinder für das Vaterland bekommen.

Diese nationalen Gender-Normen verbinden sie mit offensivem Rassismus. So wollen sie die Gleichstellungspolitik abschaffen, die Freiheit der Wissenschaft einschränken und individuelle Freiheiten beschneiden. Andersdenkende und Kritiker*innen werden diffamiert und bedroht.

3. Was wir von demokratischen Parteien erwarten

  • Proaktive Gleichstellungspolitik für Frauen und Männer: Dazu gehört, die vielfältige Lebensrealität und die Verschiedenheiten in unserer Gesellschaft im Regierungshandeln durchgängig zu beachten – zum Beispiel durch die Abschätzung der Folgen von Gesetzesmaßnahmen auf die Geschlechter.
  • Eine Politik, die konsequent die Lohngerechtigkeit befördert – zum Beispiel durch die Verpflichtung der Unternehmen, Gleichstellungs- und Diversitymaßnahmen bei sich umzusetzen.
  • Die Stärkung der Rolle von Gleichstellungsbeauftragten in Verwaltungen, Hochschulen und Unternehmen.
  • Die Achtung der Freiheit der Wissenschaft und die Förderung der Geschlechterforschung – es braucht Forschungsprojekte, die Ursachen und Erscheinungsformen von Geschlechterungleichheiten in den Blick nehmen.
  • Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern aus der Politik, den Medien und der Wissenschaft heraus – zum Beispiel indem sie die Menschen in ihrer Individualität stärken und Freiräume für eine Vielfalt von Lebensentwürfen schaffen.
  • Konkrete Maßnahmen zur Aufwertung der Gesundheits- und Sozialberufe – zum Beispiel durch die Abschaffung von Schulgeld und die Einführung von vergüteten Ausbildungen sowie die Förderung hochwertiger Weiterbildung und die Verbesserung der Verdienstmöglichkeiten.
  • Konkrete Maßnahmen zur Aufwertung der unbezahlten Sorgearbeit: Wer sich um Kinder und Alte kümmert und anderen Menschen in schwierigen Lebenslagen hilft, muss vor Armut, auch im Alter geschützt werden.
  • Eine Familienpolitik, die verschiedene Formen von Familien und Solidargemeinschaften gleich anerkennt und unterstützt, gerade auch Alleinerziehende – zum Beispiel durch eine Umwandlung des Ehegattensplittings in Investitionen in Sorgearbeit, dort wo sie tatsächlich geleistet wird.
  • Die Sicherung der Existenz aller Menschen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft, auch im Alter – zum Beispiel durch den Rückbau von Minijobs.
  • Den Schutz vor Gewalt in Ehen, Partnerschaften und im öffentlichen Raum – zum Beispiel durch den Erhalt und Ausbau von Frauenhäusern und weiteren Hilfsangeboten wie Beratungseinrichtungen für Frauen und Männer.
  • Eine menschliche, geschlechtergerechte Einwanderungs- und Migrationspolitik, die die kulturelle Vielfalt der Menschen in den Blick nimmt – zum Beispiel durch Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt sowie zur Sicherung der Teilhabe in unserer demokratischen Gesellschaft im Bereich Bildung, Ausbildung und Arbeitswelt.

September 2017

 

Dr. phil. Petra Ahrens, Soziologin, Antwerpen

Cindy Ballaschk, Doktorandin, Berlin

Henning von Bargen,  Sozialwissenschaftler, Berlin

Claudia Batisweiler, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Alice Blum, Justus-Liebig-Universität Gießen

Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen e.V. (bukof)

Dr. Kristina Dietz, Politikwissenschafter_in, Freie Universität Berlin

Michael Drogand-Strud, Bildungsreferent, Bückeburg

Meike Drohm

Dr. Gisela Eberhardt, Wissenschaftliche Redakteurin, Berlin

Anna Efremowa

Julia Elfert

Dr. Stefanie Elies, Berlin

Diana Feuerer, OTH Regensburg

Dr. Regina Frey, Politikwissenschaftlerin, Berlin

Dr. Marc Gärtner, Sozialwissenschaftler, Berlin

Jochen Geppert, Psychologe, Berlin

Prof. Dr. Jutta Hartmann, Hochschullehrerin, Berlin

Mona Hasenstab, Freie Universität Berlin

Neele Henkenberens, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Gitti Hentschel, Berlin

Vanessa Hinsch, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Karin Höhne, Referentin für Chancengleichheit, Berlin

Ralf Homann, Künstler, München

Ludger Jungnitz, Prozessbegleitung, Berlin

Manfred Köhnen, Soziologe, Berlin

Nikola Konermann, Malteser Hilfsdienst e.V., Berlin

Dr. Mara Kuhl, Berlin

Christine Kurmeyer, Charité Universitätsmedizin

Landeskonferenz Niedersächsischer Hochschulfrauenbeauftragter (LNHF)

Nina Lawrenz, Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Esther Lehnert, ASH Berlin

Prof. em. Dr. Ilse Lenz, Ruhr-Universität Bochum

Robert Lüdtke, Schwulenberatung Berlin

Prof. Dr. Helma Lutz, Goethe University Frankfurt

Vera Meier-Tragmann

Jonathan Menge, Berlin

Henriette Meseke, Politikberatung, Bremen

Dr. Gisela Notz, Sozialwissenschaftlerin, Berlin

Dr. Massimo Perinelli, Referent, Berlin

Dr. Lisa Pfahl, Wissenschaftlerin, Innsbruck

Birgit Pfeiffer, Gleichstellungsbeauftragte Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg Universität Mainz

Susanne Plaumann, Zentrale Frauenbeauftragte Beuth Hochschule für Technik Berlin

Dr. Michaela Ralser, Hochschullehrerin, Innsbruck

Mira Rühl, Pysiotherapeutin, Berlin

Arn Sauer, Berlin

Dr. Kerstin Schumann, Geschäftsführerin, Magdeburg

Gregor Schuster, Systemingenieur, Berlin

Franziska Schutzbach, Basel

Klaus Schwerma, Sozialwissenschaftler, Berlin

Sandra Smykalla, Professorin für Soziale Arbeit, Berlin

Dr. Ulrike Spangenberg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Umea University/Berlin

Dr. Silke Steinhilber, Gutachterin, Berlin

Noemi Stelzig, Berlin

Olav Stuve, Politischer Bildungsreferent, Berlin

Dr. Claudia Wallner, Referentin und Autorin zu Geschlechterfragen, Münster

Birgit Weustermann

Dr. Christa Wichterich, Publizistin, Bonn

Stephanie Wittenburg, Frauenbeauftragte, TU Berlin

Advertisements